Radspielers
Geschichte
Seit 1841 eine Institution in München

 

 


Der Firmengründer Josef Radspieler wurde am 12. August 1819 in München geboren. 

Er erlernte das Vergolderhandwerk und machte sich 1841 mit einer Vergolderwerkstatt im Haus Eisenmannstrasse 2, dem sogenannten Küchlbäckerhaus, selbständig. 

 

Josef Radspieler muss sehr tüchtig gewesen sein, denn bereits sieben Jahre später kann er das Haus Hundskugel 7, das Palais des Grafen Rechberg erwerben (Die Hackenstraße hieß bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts Hundskugel). Die Werkstatt, das "Vergolderwaarengeschäft" und die Wohnung werden hierher verlegt. 

 

München zur Zeit Ludwig I.

Der König vergrößert und verschönert seine Haupt- und Residenzstadt, die noch keine 100.000 Einwohner hat, aber die Eisenbahn fährt schon über Pasing hinaus. Der Hofgartentrakt der Residenz wird nach Plänen von Klenze erbaut. Im "Grünen Heinrich" von Gottfried Keller, ist zu lesen, wie schön und wichtig München damals für junge Künstler war.

Womit verdiente Radspieler sein Geld? Er machte Rahmen für Bilder und Spiegel. In den Geschäftsbüchern erscheinen viele Namen der Münchner Malerschule: Wenglein, Spitzweg, Gysis, Schwind,  Eberle, später Makart, Marées, Lenbach und viele mehr. Neben dieser Privatkundschaft sind zwei wichtige Auftraggeber die Kirch und der Hof. So berechnet Radspieler 1848 für die "Renovierung einer alten Gedenktafel über die Bebauung und Einweihung der Filialkirche Pipping" 5 Gulden und 30 Kreuzer.

 

Landauf, landab, von Wemding bis Reichenhall, von Amberg bis Lindau werden Kirchen renoviert, Altäre geliefert, Kreuzwegstationen gerahmt.

In München arbeitet die Firma Radspieler in den Kirchen Berg am Laim und Ramersdorf, Im Bürgersaal, in der Asamkirche und im Dom, der damals wieder gotisch ausgestattet wurde. Die geographisch höchste Kirchenarbeit Radspielers ist der Altar der Kapelle auf dem Wendelstein.

Erscheinen in den Geschäftsbüchern der ersten zwanzig Jahre schon Mitglieder des Hauses Wittelsbach als Kunden, so stellt sich die Thronbesteigung Ludwigs II. als ein Segenstag für das Bauhaupt- und Nebengewerbe heraus. Radspieler verdankt zeitweise dem Hof zwei Drittel seines Umsatzes.

Er wirkt mit an dem berühmten Wintergarten über dem Hofgartentrakt der Residenz, an allen Königsschlössern, er fertigt den Thronsessel Ludwigs II. - heute im Museum Herrenchiemsee zu sehen - und er richtet das "Appartement" des Königs in der Residenz ein. Im Firmenarchiv liegt ein Handschreiben des Königs an seinen Sekretär, in dem er diesen mahnt "Radspieler unausgesetzt zu treiben und aufzufordern, rastlos und unermüdlich zu arbeiten, um in 4-5 Wochen die Zimmer fix und fertig zu bringen".

 

Die Firma Radspieler darf sich nun "Königlich Bayerische Hof-Vergolder-Waaren-Fabrik" nennen, hat die allerhöchste Erlaubnis, das Königswappen im Firmenbriefkopf zu zeigen, beschäftig fast einhundert Vergolder, Bildhauer, Faßmaler und Schreiner, richtet Schlösser, Großbürger- und Bürgerhäuser ein und erhält auf Ausstellungen in Europa und Amerika Auszeichnungen.

"München leuchtet" und Radspieler hat Teil und Vorteil daran.

Grundlage hierzu war ein hohes Maß an handwerklichem Können, sowie Kenntnis und Verständnis der historischen Stile, deren Nachahmung in der Gründerzeit Architektur und Innenarchitektur leitete.

 

Josef Radspieler führte die von ihm gegründete Firma bis in die sechziger Jahre des 19.Jahrhunderts alleine. Inzwischen war er überhäuft mit  Ämtern und Ehrenämtern. Gemeindebevollmächtigter, Mitglied des Landtages und bürgerlicher Magistratsrat. Mitherausgeber der Zeitung "Bayerischer Kurier" konnte er sein, weil sein Sohn Franz und sein Zieh- und Schwiegersohn Anton Lippert in das Geschäft eingetreten sind. Beide hatten das Handwerk gelernt und auf Wanderschaft in Berlin, Düsseldorf, Brüssel und Paris ihr Wissen und Können erweitert.

Diesen beiden überlässt Josef Radspieler 1889 das Geschäft.

An seinem 70. Geburtstag wird er mit der goldenen Bürgermedaille der Stadt München geehrt. Auch die Bayerische Krone ehrt ihn und verleiht ihm das Ritterkreuz des Verdienstordens. Der Sohn eines Hausknechts ist jetzt Josef Ritter von Radspieler. 1904 stirbt er.

 

Franz Radspieler, königlicher Kommerzienrat, hat sich da schon aus dem Geschäft zurückgezogen, das jetzt sein Schwager, Anton Lippert, alleine führt. 1923 stirbt Anton Lippert mit achtzig Jahren.

An seine Stelle als Firmeninhaber tritt mit dreißig Jahren sein Enkel, Peter von Seidlein, Diplomingenieur und Architekt. Er steht vor zwei schweren Aufgaben. Als er das Geschäft übernimmt, ist die Renten-Mark, die die Inflation nach dem 1.Weltkrieg beendet, noch keine 4 Wochen alt. Es sind wirtschaftlich schwierige Zeiten. Die zweite Aufgabe besteht darin, das Angebot der Firma Radspieler an die neue Zeit anzupassen. Die Nachfrage nach Konsoltischen, vergoldeten Spiegelrahmen und Rokoko-Plafonds war sehr zurückgegangen.

 

Peter von Seidlein machte aus dem bisherigen Nebenbetrieb Schreinerei den Hauptbetrieb. Radspieler stellt jetzt Möbel her, die Peter von Seidlein entwirft. Die Vergolderei wird als Nebenbetrieb bis nach dem 2.Weltkrieg weitergeführt.

Einen neuen Akzent bringt Mea Kronenbitter in das Geschäft. Auch sie stammt aus einer Münchner Handwerkerfamilie und betreibt als Meisterin eine "Werkstätte für kunstgewerbliche Buchbinderarbeiten". Peter von Seidlein und Mea Kronenbitter heiraten 1922 und damit hat Radspieler jetzt auch eine Buchbinderei. Mea von Seidlein beginnt auch Waren einzukaufen, die für Radspieler neu sind: spezielle Trinkgläser aus Österreich, Spielzeug aus Südtirol, besondere Körbe etc. 1935 stirbt Mea von Seidlein zweiundvierzigjährig und hinterlässt drei Söhne.

Peter von Seidlein heiratet 1937 wieder eine Buchbindermeisterin, Nandl von Hayek, Schülerin von Mea von Seidlein. Sie führt die Buchbinderei weiter.

Die dreißiger Jahre bringen einen wirtschaftlichen Aufschwung, Peter von Seidlein pflegt im Möbelentwurf einen Stil, den man als handwerklich betonte neue Sachlichkeit bezeichnen kann. Radspieler arbeitet für und mit Münchner Architekten wie Döllgast, Gsaenger, Fick, Hillerbrand, Wiederanders und anderen.

1945 steht Peter von Seidlein, der elf Jahre seines Lebens unfreiwillig Soldat war, vor den durch Bomben zerstörten Werkstätten in der Hackenstraße. Nandl von Seidlein hatte das Geschäft mühsam durch die schwierigen Kriegsjahre - keine Schreiner und kein Holz - gebracht. Die Schreinerei beginnt im Herbst 1945 wieder zu arbeiten und ist vornehmlich mit der Reparatur von Fenstern und Türen beschäftigt. Der Wiederanfang ist unendlich mühselig, besonders nach der Währungsreform.

Es werden wieder Möbel gezeichnet und hergestellt. Kunden kommen wieder, manchmal ist es schon die dritte Generation, die sich von Radspieler einrichten lässt. Der Bedarf an Möbeln ist groß aber das Geld ist knapp.

 

1958 wagt Radspieler einen großen Schritt und mietet einen Laden in der Residenzstraße. Das, was Mea von Seidlein dreißig Jahre früher begonnen hat, wird nun weitergeführt: Einzelhandel mit Gläsern, Tischdecken, Spielzeug, Geschirr und vielem mehr. Die Waren werden zum großen Teil selbst importiert. Kommen Sie in den ersten Jahren vor allem aus Italien und Skandinavien, so dehnt sich später der Einkauf auf Frankreich, England, Lateinamerika, Indien und andere Länder aus.

Der Laden in der Residenzstraße ist besonders geprägt durch Gretl von Seidlein, die Frau von Hubert von Seidlein, der zusammen mit seinem Bruder Rasso 1959 in die Firma eintritt. Gretl von Seidlein ist Malerin, Schülerin von Josef Hillerbrand, bekannt durch Plakate für Münchner Theater, und formt aus dem Hintergrund, aber sehr wirkungsvoll, das Erscheinungsbild, was man heute die "Corporate Identiy" nennt. Stoffe, Tragetaschen, Geschirrtücher, Schriftzüge, Weihnachtskarten und vor allem Schaufensterdekorationen wurden von ihr entworfen. Ihr ungeheurer Fleiß, ihre Kreativität und die Sicherheit ihres Urteils wirken immer noch. Sie starb 1983.

 

1963 wird die Schreinerei aus der Stadt in ein Gewerbegebiet verlegt. Peter von Seidlein zieht sich 1968 aus dem Geschäft zurück und überlässt die Firma zweien seiner drei Söhne: Rasso, gelernter Gürtler und Innenarchitekt und Hubert, der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre studiert hat, nachdem er seine Lehre als Vergolder abgeschlossen hatte. Peter von Seidlein stirbt 1971.

 

1968 können im Haus Hackenstraße 7 weitere Geschäftsräume genutzt werden. Es entsteht ein Spezialgeschäft für Baumwollstoffe, Leinen und Seide, die für Inneneinrichtung und Bekleidung geeignet sind.

1985 treten zwei Söhne, Peter und Clemens von Seidlein und eine Schwiegertocher, Ulrike von Seidlein, in das Geschäft ein.

1988 - 2005 wird ein Laden in der Hackenstraße angemietet in dem Stühle, Tische und handgewebte Teppiche angeboten werden.

1993 zieht der Laden aus der Residenzstraße in das Haupthaus in der Hackenstraße um.

2005 wird das Sortiment aus der Hackenstraße 4 in die Hackenstraße 7 umgezogen, da die Räumlichkeiten saniert und umgebaut werden.

Von 2002 - 2006 gibt es auch einen eigenen Laden für Betten, Bettwäsche und Schränke in der Joseph-Spital-Straße 6, der im Jahr 2006 ebenfalls in das Haus Hackenstraße 7 umzieht.

 

Alles Gute unter einem Dach!

 

2011  hat Hubert von Seidlein die Geschäftsführung an seinen Sohn Peter von Seidlein übergeben, ist selbst aber immer noch aktiv am Geschäftsleben beteiligt. Peter von Seidlein führt das Unternehmen nun in der 6.Generation.


Mehr als 170 Jahre sind vergangen, München hat sich mehrmals sehr verändert. Aus der Vergolderwerkstatt Radspieler wurde ein Unternehmen, in dem die eigene Fertigung nicht mehr den Hauptanteil des Umsatzes ausmacht.

 

Das Streben nach Qualität und nach der eigenen Note ist seit Jahrzehnten das Wichtigste für die Firma. Das macht viel Mühe, aber auch viel Freude für die heutig und hoffentlich auch für weitere Generationen dieser Familie.

 

 

 

Öffnungszeiten:

Mo - Fr    10-19 Uhr

Sa    10-18 Uhr

Stadtplan

F. Radspieler GmbH & Co. KG

Hackenstraße 7, 80331 München

Tel.: +49 (0) 89 - 23 50 98 0

Email: mail@radspieler.com